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Rundgang im Längimoos, 10. September 2016

Im Einklang zwischen Lebens- und Landschaftsqualität

Vergangenen Samstag haben rund 70 Rüschlikerinnen und Rüschliker auf einem Informationsrundgang einen Einblick in die heimische Forst- und Landwirtschaft erhalten. An-hand von drei Themenposten erfuhren sie im Naherholungsgebiet Längimoos, was sie selber für den Naturschutz unternehmen können und wie die Förster und Bauern die Umgebung für die Produktion von Rohstoffen wie Holz und lokalen Lebensmitteln nutzen. Von der frischen Qualität der Produkte konnten sich die Teilnehmenden beim Mittagessen überzeugen.

Bei herrlichem Wetter führte der Weg vom Hinteren Längimoos in das Naherholungsgebiet, das nur fünf Kilometer vor den Toren Zürichs liegt. Wie die Teilnehmenden am ersten Themenposten erfuhren, führt die Betriebsgemeinschaft eine Viehzucht und Milchwirtschaft. Die rund 40 Kühe und Rinder der beiden Bauernhöfe Vorderes und Hinteres Längimoos können von Frühling bis Herbst fast jeden Tag auf den Weiden grasen. Auf den 40 ha Fläche der beiden Bauernhöfe sind auch Hühner, Schafe, Pensionspferde und Bienenvölker zu Hause. «Ein schonender Umgang mit Vieh und Acker liegt uns am Herzen», erklärte Urs Meier. Gemeinsam mit seinem Bruder, Jörg Meier, führt er in zweiter Generation die Betriebsgemeinschaft Längimoos. «Wir halten uns an die IP Suisse Richtlinien und werden jährlich kontrolliert. Eine natürliche Bewirtschaftung trägt massgeblich zur Qualität der Produkte bei - sei es beim Getreide oder den Wiesen und dadurch bei der Milch und dem Fleisch». Sie fördert aber auch die Landschaftsqualität, da sie den natürlichen Lebensraum der Tiere und Pflanzen erhält. Davon konnten sich die Teilnehmenden ein Bild machen, als sie der Rundgang durch die Scheune, die im Sommer unter anderem Schwalben einen Nestplatz bietet, über die Felder und weiter in den angrenzenden Rüschliker Wald führte.

Reine Luft dank gesunden Bäumen

Der Wald ist das Revier von Förster Damian Wyrsch und seinem Team. Es erstreckt sich von Adliswil über Rüschlikon bis nach Kilchberg. Am Themenposten ‚Wald‘ zeigten Manuel Meroni, Ranger und Damian Wyrsch, welche Einflüsse die Naherholungssuchenden auf den Wald haben. Augenfällig zeigt sich, dass z. B. der Waldboden keine Vegetationsschicht aufweist. Nicht begangene Waldbereiche zeigen einen grünen und mit Jungbäumen durchsetzten Waldboden. Der Forst macht mit seiner Waldpflege die bestehenden Trampelpfade und Spielflächen weiterhin verfügbar und reduziert das Ausweichen/Einnehmen von intakten Waldflächen. Auch das Waldrandkonzept wird kontinuierlich umgesetzt: Ein stufiger Waldrand schützt gegen Witterungseinflüsse durch Wind und Sturmböen und die dadurch entstehenden Strukturen im Unterholz geben den Tieren Rückzugsmöglichkeiten. Durch schonende Waldbewirtschaftung erhalten Wyrsch und sein Team die Artenvielfalt. Dafür prüft er die Äste und markiert kranke Bäume, damit sie gefällt werden können, um Platz für gesunde und seltene Bäume wie Eichen zu erhalten. Diese werden besonders gefördert, weil sie noch nicht auf die fortschreitende Erderwärmung reagieren. Die Buchen jedoch bekunden Mühe mit der Klimaerwärmung.

Wyrschs Engagement für die Verjüngung des Waldes wurde vom Amt für Landschaft und Natur des Kantons Zürich (ALN) mit der Försterprämie ausgezeichnet. «Ein gesunder Wald sorgt für einen ständigen Luftaustausch zwischen Stadt und Natur und erwirkt so, dass reine und bessere Luft in die Siedlungsgebiete gelangt», erklärte er den Teilnehmenden am zweiten Themenposten und ergänzte: «Der Wald übt auch eine Schutzfunktion gegenüber Bodenerosion, Rutschungen oder Immissionen aus und ist darum selbst schützenswert». Dazu können alle einen Beitrag leisten, zum Beispiel indem sie nur auf bestehenden Wegen gehen, keine neuen Trampelpfade austreten und Bäume und andere Pflanzen nicht beschädigen.


Damit sich Ringelnatter, Gelbbauchunke & Co. verbreiten

Am dritten Themenposten ‚Naturschutz und Artenförderung‘ erklärte Christian Wiskemann die Wirkung und Nachhaltigkeit des Vernetzungsprojektes der Gemeinde Rüschlikon. Das übergeordnete Instrument unterstützt die Zusammenarbeit zwischen den Bauern, dem Forst und der Gemeinde mit dem Ziel, die Biodiversität über Generationen zu fördern, zu festigen und auszubauen. Massnahmen dazu sind die naturnahe und nachhaltige Landwirtschaft, Hecken mit Kleinstrukturen, Hochstammobstbäume, stufige Waldränder und Buchten sowie verschiedenen Vernetzungsstrukturen wie Biotope und Pionierstandorte. Amphibienexperte Philippe Goeldlin zeigte anhand seiner Amphibien- und Reptilienausstellung die in den regionalen Biotopen lebenden Tiere. Er erklärte, welche Strukturen die Ringelnattern, die Gelbbauchunken oder die Geburtshelferköten für ihre Verbreitung benötigen. Einen Beitrag zum Naturschutz leistete auch das abschliessende Mittagessen: Es war aus saisonalen, lokalen Produkten zubereitet, die die Ökobilanz positiv beeinflussen.
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